1/14/2018

1981 Jean-Paul Goude revised

Zurück aus dem Atelier im Wiener Prater betrachte ich sie, diese Zusammenstellung aus geometrischen Formen, die eine Art Kopf im Profil nachstellt. Vor mir fassen Hände, die in weißen Trikothandschuhen stecken, nach den Spitzen der Komposition. Sie greifen langsam und präzise ins Bild, wie Hände von Zeichentrickfiguren, von Ausstellungs-Monteuren oder Lotsen, wenn sie auf etwas zeigen. Schere schneidet Montage. Stück für Stück werden die beweglichen Elemente aus dem Bild entfernt: die tetraederförmige Nase, das Mundstück, die nach vorn gerichtete Kinnspitze und der schwarze Hut aus einer nach oben gestreckten Pyramide. Aus der Zusammenstellung tritt die Trägerin der geometrischen Körper hervor. Diese Silhouette kennt man; an den Seiten geschwungen, oben ganz flach. Sie öffnet Augen und Mund und wendet sich zu uns. Sie singt, „Strange“, das Gesicht habe sie schon mal gesehen, während sie direkt aus dem Bild in uns schaut. Ihr Gesicht ist mit Brauntönen überzogen, die in unterschiedliche Farbrichtungen changieren. Es ist in mehr oder weniger mattierte und gestrichene Flächen aufgeteilt. Über den Lippen liegt eine Schicht Rot, die wirkt durchscheinend und wird von einzelnen Reflexpunkten und einer Goldrahmung definiert. Rundherum verlaufen alle Farbabstufungen ins Dunkle, dunkel auf dunklem Grund. Sie lässt ihre Augen schweifen und richtet sie über einen anderen Weg auf uns. Dabei spiegelt die Fläche der Stirn das seitlich von links neben uns ins Bild gerichtete Licht wie eine Metalliclackierung. Alles was lebt scheint, alles was künstlich ist glänzt. Wir treten zurück, dadurch öffnet sich der Bildausschnitt. Wir bemerken, durch die Bewegung erschließt sich die Szene. Sie hat das Spielbein auf ein Podest gesetzt, hinter ihr Schatten auf einer kakaofarbigen Fläche. In der Art posiert hier eine durch und durch gestaltete Erscheinung auf einer Bühne im Freien. Dahinter tauchen im Schatten über der Bühnenkante aufgereiht wieder weiße Handschuhe auf. Die Claqueure, die Kulisse, Grün oder Schatten. Das alles ist in einen Garten auf ein Hochhaus platziert. Der Stil der Körper reproduziert sich im Setting der Anlage nachts in einer leuchtenden Stadt auf einem Dach neben der Skyline. Ein kleines Publikum, Pyramidenhüte, Tetraedernasen, Hände in Handschuhen, man steht verstreut zwischen den Hecken auf dem Dach und applaudiert.